Zugang zu Informationen und Ticketverkauf im europäischen Bahnverkehr

04. Mai 2009 zur Übersicht

Schriftliche Fragen an die Kommission

Schriftliche Anfrage E-1389/09

von Michael Cramer (Verts/ALE)

an die Kommission

In Bezug auf das Ziel der EU, europaweit ein einheitliches System von Fahrkartenanerkennung und -verkauf im grenzüberschreitenden Bahnverkehr zu schaffen, gibt es bislang noch eine Reihe an Problemen und Hindernissen. Inwieweit sind der EU-Kommission Ungleichbehandlungen bei den Fahrgästen aus unterschiedlichen Mitgliedstaaten bekannt und wie vereinbart die Kommission in diesem Zusammenhang die folgenden Schwierigkeiten mit dem Prinzip eines einheitlichen Binnenmarktes?

Strecke Frankreich-Belgien-Deutschland: Im ICE, der von Brüssel nach Köln fährt (oder umgekehrt), erkennt die Deutsche Bahn die Bahncard für die gesamte Strecke an (also auch auf nicht deutschem Gebiet). Gleiches gilt für den ICE, der zwischen Paris und Frankfurt verkehrt, und für den, der nach Amsterdam fährt. Im Gegenzug wird die Bahncard im Thalys nicht angerechnet (weder auf dem kurzen deutschen Streckenabschnitt zwischen Aachen und Köln noch im TGV Paris-Straßburg). Die SNCF ignoriert in ihrem Buchungssystem die Möglichkeiten der Bahncard. Auch im Internet lassen sich keine Fahrkarten mit Bahncard-Reduzierung kaufen, nicht einmal für den ICE.

Strecke Frankreich-Schweiz: Im "Lyria", der von Paris in die Schweiz fährt, wird auf dem Schweizer Streckenabschnitt zwar das Halbtagsabo anerkannt, auf dem französischen Abschnitt aber nicht die am meisten verbreitete "Carte Escapade". Sie kostet 80 € und gilt für Fahrten in Frankreich, sofern sie länger als 200 km sind und eine Übernachtung von Samstag auf Sonntag dabei ist - außerdem gilt sie nur auf derselben Strecke, Abfahrts- und Ankunftsbahnhof müssen bei Hin- und Rückfahrt identisch sein. Anerkannt wird nur die "Carte Fréquence" (streckengebundene Karte für Vielfahrer/Pendler).

E-1389/09DE

Antwort von Herrn Tajani

im Namen der Kommission

(4.5.2009)

Die verschiedenen Fahrpreise von Eisenbahnunternehmen beruhen insbesondere im Fall von grenzüberschreitenden Verkehrsdiensten auf vorwiegend kommerziellen Überlegungen. Bahnkarten bieten üblicherweise preisliche Vergünstigungen oder bevorzugende Behandlung (hinsichtlich Dienstleistungen, Fahrplan, Fahrgastkategorie usw.) im Rahmen des von den Eisenbahnunternehmen dafür vorgesehenen Zweckes. Jedes Unternehmen kann über die Anwendung seiner diversen Bahnkarten zur Förderung bestimmter Bahndienstleistungen frei entscheiden.

Zwar fördern die gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften die breite Verfügbarkeit von Fahrkarten für Bahnreisende (Richtlinie über die Rechte der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr ), kommerzielle Entscheidungen über den Verkauf von Fahrkarten inklusive Bahnkarten liegen jedoch, sofern sie nicht gegen EU-Recht verstoßen, im Zuständigkeitsbereich der Eisenbahnunternehmen selbst.