VW-Abgas-Skandal - EU-Parlament geht mit VW hart ins Gericht

07. Oktober 2015 zur Übersicht

Artikel der Wirtschaftswoche vom 06.01.2015

In der EU müssen nach Auffassung vieler Europa-Abgeordneter angesichts des Skandals bei Volkswagen so schnell wie möglich realistische Abgastests eingeführt werden. Die Meldungen im Überblick.


Wegen des Abgas-Skandals bei Volkswagen werden Techniker bei einigen Autos auch direkt an den Motoren Hand anlegen müssen. Teilweise werde eine Überarbeitung der Software zwar ausreichen, sagte der neue VW-Chef Matthias Müllerlaut Mitteilung bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. „Bei einem Teil der Fahrzeuge werden dagegen auch zusätzliche Eingriffe an der Hardware notwendig sein.“ Der Konzern hatte mit einem Programm Abgaswerte von Diesel-Autos manipuliert. Weltweit sind rund 11 Millionen Fahrzeuge betroffen - 2,8 Millionen davon in Deutschland.


Volkswagen ruft nach dem Skandal um Abgas-Manipulationen die betroffenen Autos zurück in die Werkstatt. Das korrigiert zwar die Verfehlungen des Autobauers, macht die Motoren aber nicht besser. Im Gegenteil.


+++ EU-Parlament geht mit VW hart ins Gericht +++
Die Europäer sollten diese Krise nutzen, um sich Elektrofahrzeugen zuzuwenden, sagte sie. Das Parlament will Ende Oktober über eine Entschließung zu dieser Debatte abstimmen. EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska pochte auf „null Toleranz für Betrug“. Sie sprach sich für Sanktionen aus, wenn geltende Grenzwerte für Abgase und Treibstoff-Verbrauch nicht eingehalten werden. Die EU-Kommission habe schon vor zwei Jahren vorgeschlagen, Autos unter echten Fahrbedingungen zu testen, weil Labortests nicht ausreichend seien.
Die Empörung über „kriminelle Machenschaften“ im VW-Konzern zog sich durch die meisten Fraktionen. Alles müsse unternommen werden, damit sich so etwas nie mehr wiederhole, hieß es. Der deutsche Grüne und Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Michael Cramer, nannte es „peinlich“, dass die Manipulationen bei Diesel-Abgaswerten in den USA und nicht in Europa entdeckt worden seien.

 

Zusammenfassung der Debatte von EuroparlTV (Video)


+++VW-Chef Müller will Sparkurs verschärfen+++
Volkswagen wird seinen Sparkurs wegen des Abgas-Skandals verschärfen. Die geschäftlichen und finanziellen Folgen der Krise seien noch nicht absehbar, darauf müsse das Unternehmen schnell reagieren: "Deshalb stellen wir jetzt alle geplanten Investitionen nochmal auf den Prüfstand", kündigte Vorstandschef Matthias Müller vor der Belegschaft in Wolfsburg an. In seiner ersten Rede nach seiner Wahl auf einer Betriebsversammlung fügte der frühere Porsche-Chef hinzu: "Was nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben." Deshalb solle das von seinem Vorgänger Martin Winterkorn eingeleitete Sparprogramm "nachjustiert" werden.
Das wird nicht ohne Schmerzen gehen", sagte Müller vor mehr als 20.000 Beschäftigten in einer Werkshalle im Wolfsburger Stammwerk. Er betonte aber auch, VW dürfe durch Einsparungen seine führende Position nicht in Gefahr bringen. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte zuvor ebenfalls vor der Belegschaft gefordert, alle Projekte und Investitionen auf den Prüfstand zu stellen.


+++Niedersachsens Ministerpräsident ruft zur Geschlossenheit auf +++
Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil hat die Mitarbeiter von Volkswagen zur Geschlossenheit in der aktuellen Abgas-Krise aufgerufen. „Bei Volkswagen arbeiten viele hunderttausend Menschen, die sich jeden Tag mit aller Kraft für das Unternehmen einsetzen und sehr gute Arbeit leisten“, heißt es in einem Brief des SPD-Politikers. „Es ist unerträglich, wenn jetzt das ganze Unternehmen und damit auch die Beschäftigten unter einen Generalverdacht gestellt werden.“ Das Schreiben wurde am Dienstag bei der Betriebsversammlung von VW in Wolfsburg verteilt und lag der Deutschen Presse-Agentur vor.


„Ich bin mir bewusst, dass die Arbeit bei Volkswagen dieExistenzgrundlage für viele Tausend Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und deren Familien ist, weltweit und vor allem auch bei uns in Niedersachsen“, schrieb Weil weiter. „Deswegen betrachte ich es als unsere Aufgabe, mit aller Kraft für die Sicherheit dieser Arbeitsplätze zu arbeiten.“ Das Land Niedersachsen als Großaktionär stehe zu VW und seinen Beschäftigten. „Das gilt nicht nur in guten Zeiten, sondern gerade auch in schwierigen Phasen.“


+++Betriebsratschef bereitet Belegschaft auf Einschnitte vor +++
Der Abgasskandal bei Volkswagen wird nach Worten von Betriebsratschef Bernd Osterloh Auswirkungen auf das Ergebnis der Hauptmarke VW haben. Dies werde auch einen Einfluss auf den Bonus für die Mitarbeiter haben, sagte Osterloh auf der Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk. "Wir werden genau hinschauen, wie der Bonus für den Vorstand aussehen soll", sagte der Betriebsratschef vor mehr als 20.000 Beschäftigten in einer Halle auf dem Werksgelände. Klar sei, dass die Beschäftigten nicht die Zeche für das Fehlverhalten einer Gruppe von Managern zahlen werde.


Osterloh forderte einer Mitteilung des Betriebsrats zufolge zudem, alle Projekte und Investitionen wegen des Abgasskandals auf den Prüfstand zu stellen. "Wir werden mit großer Konsequenz alles in Frage stellen müssen, was nicht wirtschaftlich ist", sagte der Betriebsratschef.


+++Belegschaft will Antworten von VW-Chef Müller+++
Bei der außerordentlichen Betriebsversammlung im Stammwerk in Wolfsburg will der neue VW-Chef Mattias Müller erstmals den Mitarbeitern Rede und Antwort zum aktuellen Abgas-Skandal stehen. Auch Betriebsratschef und Aufsichtsrat Bernd Osterloh wird bei der nicht öffentlichen Veranstaltung zu den verunsicherten Beschäftigten sprechen. „Der Informationsbedarf der Mitarbeiter ist sehr groß“, sagte ein Sprecher von Osterloh.
Aus dem Konzern hieß es, bis zu 20.000 Mitarbeiter würden erwartet. In der Wolfsburger Volkswagen-Zentrale arbeiten derzeit rund 72.500 Menschen, mehr als 830.000 Fahrzeuge laufen hier pro Jahr vom Band.
Weltweit gebe es unter den etwa 600.000 VW-Beschäftigten eine große Verunsicherung, hieß es aus dem Unternehmen. Mit seiner Ansprache wolle Müller die Kollegen nicht nur beruhigen, sondern auch die Reihen schließen. Denn zur Lösung der größten Krise in der VW-Historie braucht Müller auch das Vertrauen der Mitarbeiterschaft.


Seit vor zweieinhalb Wochen bekanntwurde, dass Volkswagen mit einer speziellen Software die Abgaswerte bei verschiedenen Diesel-Modellen manipuliert hat, gebe es auch innerhalb der Belegschaft kein anderes Thema mehr. Genau wie bei Verbrauchern, Aktionären und Politikern spüre man unter den Mitarbeitern einen Vertrauensverlust, hieß es. Viele würden sich selbst als Opfer des Betrugs empfinden, denn die Identifikation mit den Fahrzeugen sei gerade im Stammwerk sehr groß.


Unter den Mitarbeitern hat der Skandal aber nicht nur das Vertrauen in das Management ins Wanken gebracht. Viele bangen nach zahlreichen erfolgreichen Jahren nun um ihre Jobs. Sie erwarten von ihrem neuen Konzernchef klare Aussagen zum Ausmaß der Krise, zu möglichen Lösungen und auch darüber, ob Arbeitsplätze in Gefahr sind.
„Natürlich gibt es Ängste, wie sich die Situation weiterentwickelt“, sagte Osterloh der „Bild am Sonntag“. „Es gibt aber auch Wut über die, die uns das eingebrockt haben. Wir lassen nicht zu, dass die Kollegen die Zeche zahlen.“


+++ Acht Millionen Dieselwagen EU-weit von Manipulationen betroffen +++

Der Großteil der weltweit 11 Millionen vom VW-Abgas-Skandal betroffenen Diesel-Autos ist in Europa unterwegs. Insgesamt seien innerhalb der Europäischen Union rund 8 Millionen Fahrzeuge betroffen, sagte ein VW-Sprecher am Montagabend in Wolfsburg. Alle Bundestagsabgeordneten mit VW-Standorten in ihren Wahlkreisen seien entsprechend informiert worden.
Über den Brief hatte zuvor bereits das „Handelsblatt“ (Dienstag) berichtet. In dem Schreiben entschuldige sich VW bei den Abgeordneten für das „Fehlverhalten einiger weniger Personen“ im Konzern und verspreche, dass der Aufsichtsrat mit Unterstützung deutscher und amerikanischer Juristen „die lückenlose Aufklärung der Vorgänge überwachen“ werde, schreibt das Blatt.
Das Eingeständnis der Manipulationen hatte im Konzern ein Erdbeben ausgelöst - der frühere VW-Chef Martin Winterkorn musste bereits genau wie zahlreiche andere Top-Manager seinen Platz räumen, weltweit drohen teure Klagen. An der Frankfurter Börse konnte die VW-Aktie ihren freien Fall noch immer nicht stoppen. Zum Wochenauftakt sank der Kurs zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren.
Bereits am Mittwoch steht die nächste Krisensitzung des VW-Aufsichtsrates auf dem Programm. Dabei soll der bisherige Finanzchef Hans Dieter Pötsch als Aufsichtsrat bestätigt und anschließend vom Amtsgericht Braunschweig benannt werden.


Quelle