Schnellbahntrasse Köln-Aachen-Brüssel-Paris im Rahmen der TEN-V

14. September 2009 zur Übersicht

Schriftliche Anfrage an die Kommission

SCHRIFTLICHE ANFRAGE

E-3799/09

von Michael Cramer (Verts/ALE)

an die Kommission

Die Schnellbahntrasse Köln-Aachen-Brüssel-Paris wurde als Teil der transeuropäischen Netze (TEN-V) massiv mit Mitteln der Bundesrepublik Deutschland und anderer Mitgliedstaaten ausgebaut. Die neue Trasse ist seit etwa zwei Jahren fertig gestellt. Seit dieser Zeit versprechen auch die Deutsche Bahn (DB) und die Thalys-Gesellschaft in regelmäßigen Abständen, der Verkehr würde bald schneller. Zuletzt wurde im Sommer 2008 in den Aachener Medien vom Thalys-Vorstand versprochen, ab Sommer 2009 würde sich die Fahrt Aachen-Brüssel auf etwa eine Stunde verringern (momentan 1 Stunde 34 Min.). Für viele Reisende ist die Fahrzeit im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit von enormer Bedeutung. Der neue Fahrplan der DB sieht ab Juni 2009 eine Fahrzeitverkürzung für den ICE vor, allerdings nur auf 1 Stunde 14 Minuten. Die Fahrzeit des Thalys wird sogar noch länger als bisher, sie erhöht sich auf zwischen 1 Stunde 37 Minuten (ab Brüssel 18.59 Uhr) und 1 Stunde 41 Minuten (ab Brüssel 16.55 Uhr). Zudem fährt der Thalys morgens nicht mehr um 8.01 Uhr ab, sondern erst um 8.23 Uhr und ist dann erst um 10.01 Uhr in Brüssel. Umsteigeverbindungen via Welkenraedt und Lüttich sind umständlich und brauchen über 2 Stunden. Dies deutet darauf hin, dass die neue Strecke zwei Jahre nach ihrer Fertigstellung immer noch nicht genutzt werden kann, zumindest nicht im Streckenabschnitt Aachen-Lüttich.

Daher möchte ich in diesem Zusammenhang die Europäische Kommission fragen:

1. Wieso kommt es in diesem Streckenabschnitt auch nach Fertigstellung der neuen Trassen immer noch zu so langen Fahrzeiten? Inwiefern ist dieses Defizit vereinbar mit den politischen Leitlinien der EU im Hinblick auf die Ausrichtung der europäischen Verkehrspolitik hin zu "intelligenten" und umweltfreundlichen Verbindungen und Einsatzmöglichkeiten (s. ERTMS)?

2. Wie sieht die Kommission die Tatsache, dass in diesem Fall eine Vielzahl von Reisenden weiterhin keine Schnellverbindung nutzen kann, um die tägliche Strecke zwischen Köln Aachen-Lüttich-Brüssel-Paris in der geplanten Geschwindigkeit zurücklegen zu können?

3. Ist der Kommission bekannt, wann die Strecke zwischen Köln-Aachen-Lüttich-Brüssel-Paris in vollem Umfang einsatzbereit sein wird und die Fahrt zwischen Aachen und Brüssel in der versprochenen Stunde zurückgelegt werden kann?

E-3799/09DE

Antwort von Herrn Tajani

im Namen der Kommission

(14.9.2009)

Die Hochgeschwindigkeitsstrecke Lüttich-Aachen, die am 12. Juni 2009 in Betrieb genommen wurde, ist vollständig und ausschließlich mit dem ERTMS ausgestattet.

Bisher können nur ICE, die mit dem ERTMS ausgerüstet sind, diese Strecke befahren.

Bis zum 13. Dezember diesen Jahres sollen drei Viertel der Thalys-Flotte, die derzeit in dem Netz eingesetzt wird, ebenfalls mit dem ERTMS ausgerüstet sein. Ab diesem Datum wird die Reisezeit mit dem Thalys auf der Strecke Brüssel-Aachen dann nur noch 1 Stunde 8 Minuten betragen.

Derzeit kommt es bei Fahrten mit dem Thalys zu längeren Reisezeiten, weil die Züge die alte Trasse zwischen Lüttich und Aachen benutzen, und die zusätzliche Verlängerung der Reisezeit seit Mitte Juni 2009 ist bedingt durch eine Trassenkoordinierung, die den konventionellen Verkehr begünstigt, insbesondere den nationalen, der sich durch höhere Frequenzen und häufigere Halte auszeichnet als der Hochgeschwindigkeitsverkehr.

Ungeachtet der längeren Reisezeiten stellt die Europäische Kommission fest, dass die Hochgeschwindigkeitsstrecke Lüttich-Aachen in Betrieb genommen wurde und den Rechtsvorschriften entspricht, die eine Ausrüstung der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken mit dem ERTMS vorschreiben. Die erwähnten Verzögerungen bei der entsprechenden Ausstattung der Thalys-Züge im Verhältnis zum Datum der Inbetriebnahme der Strecke erscheinen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht so schwerwiegend, dass eine Reaktion der Kommission vonnöten wäre.