Permanenter Schienenlärm belastet die Neuallermöher

30. April 2014 zur Übersicht

Artikel, erschienen in der Bergedorfer Zeitung vom 30.4.2014

Neuallermöhe Lärm mit einer Stärke von 65 Dezibel ist auf Dauer gesundheitsschädlich, 85 Dezibel gefährden das menschliche Gehör, und 110 Dezibel können ein akutes Schalltrauma auslösen. Mit diesen medizinischen Erkenntnissen hat sich die Neuallermöher Stadtteilgruppe von Bündnis 90/Die Grünen an die Öffentlichkeit gewandt und zur frühabendlichen Rushour am S-Bahnhof Allermöhe zum Thema Bahnlärm informiert. Prominente Unterstützung hatten die Stadtteil-Grünen von dem EU-Parlamentarier Michael Cramer und dem Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten Till Steffen.

Mit einem kürzlich für 200 Euro angeschafften Messgerät ermittelten der Ortsgruppenvorsitzende Patrick Kühl und seine Mitstreiter Rolf Wobbe, Jan Vlamynck und Jennifer Jasberg unmittelbar vor dem S-Bahnhof die Lärmbelastung durch Güterzüge, Regionalexpress und ICE. Dabei kamen sie auf Spitzenwerte von 85 Dezibel bei Güterzug und Regionalexpress, auf 72 Dezibel bei ICE-Zügen.

"Wir Neuallermöher sind ständig krank machendem Schienenlärm ausgesetzt", beklagt Kühl. "Effektiver Lärmschutz kann uns davor schützen, und dafür kämpfen wir Grünen auf allen Ebenen." Einen gleichlautenden Flyer "Schienenlärm stoppen" in sechs Sprachen verteilten die Aktivisten zusammen mit giftgrünen Ohrstöpseln an die Passanten. "Es geht uns auch darum, die Menschen im Stadtteil für das Lärmthema zu sensibilisieren und zu verdeutlichen, dass man sich gegen die wachsende Belastung wehren kann", erklärt Jennifer Jasberg. Daher auch das Angebot der Grünen, das Messgerät auszuleihen. Interessenten mailen an patrick.kuehl@gruene-bergedorf.de (mailto:patrick.kuehl@gruene-bergedorf.de).

Nach Worten von Michael Cramer wird sich das tägliche Güterzugaufkommen auf der Bergedorfer Strecke von derzeit 77 bis zum Jahr 2025 nahezu verdoppeln. Die Forderung der Grünen betrifft nicht vorrangig den Bau von Lärmschutzwänden, sondern die Vermeidung von Lärm. "Mit einer Investition von 1,2 Milliarden Euro könnte man 80 Prozent aller Güterwaggons in Europa umrüsten und ihre jetzigen Bremsbacken und -gestänge aus Metall durch solche aus Kunststoff ersetzen", sagt der Europapolitiker. Damit wäre die Lärmemission um zehn Dezibel reduziert, was einer gefühlten Minderung von 50 Prozent entspreche. Ein Betrag von 260 Millionen Euro sei von der EU dafür schon bereitgestellt. Laut Cramer sind auf Europas Schienen insgesamt 800 000 Güterwaggons unterwegs.