Mecklenburg-Vorpommern bringt Monstertrucks durch die Hintertür auf die Straße

27. Januar 2009 zur Übersicht

Genehmigung für Gigaliner in Mecklenburg-Vorpommern missachtet Beschluss der Verkehrsministerkonferenz

Nach Thüringen hat nun auch das Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung in Schwerin die bis Ende 2008 gültigen Ausnahmegenehmigungen für die 60 Tonnen schweren LKW zwei Routen stillschweigend um ein weiteres Jahr verlängert. Dazu erklärt Michael Cramer, MdEP und verkehrspolitischer Sprecher Grünen im Europäischen Parlament:

"Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern versucht die Zulassung der Monstertrucks durch die Hintertür. Politisch sind die 60-Tonner nicht gewollt, weil so die Gewinne für wenige Spediteure gesteigert werden - auf Kosten der Allgemeinheit. Die Pilotversuche in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind sinnvollerweise bereits gestoppt. Mecklenburg-Vorpommern muss sich dem anschließen.

Zudem widerspricht die Einführung von Monstertrucks jeder nachhaltigen und intelligenten Verkehrspolitik. Für die Verkehrssicherheit würden sie schwere Verkehrsunfälle noch schlimmer machen. Sie verursachen erheblich mehr Straßenschäden und entsprechende Infrastrukturkosten, denn durch die höhere Belastung der Straße verkürzen sich die Reparaturintervalle. In Deutschland wären 8 Milliarden Euro notwendig, um die Straßeninfrastruktur für Monstertrucks auszubauen. Brücken müssten verstärkt, Kreuzungen ausgebaut, Ringverkehre erweitert und die Straßen noch öfter neu asphaltiert werden.

Die schwereren LKW würden auch die Verlagerung auf die umweltfreundlichere und sichere Schiene bzw. den kombinierten Verkehr weiter gefährden und dem Einzelwagen-Güterverkehr auf der Schiene ein Ende bereiten. Die Argumentation der Einsparung von Emissionen ist gesamtwirtschaftlich gesehen nicht schlüssig: Wer heute mittels Gigalinern den Transport auf der Straße noch attraktiver macht, verhindert den Aufbau eines umweltgerechten Verkehrssystems.

Bundesverkehrsminister Tiefensee ist gefordert, seinen Amtskollegen in Schwerin in die Schranken zu weisen, weil er den Beschluss der Verkehrsministerkonferenz zu Monstertrucks missachtet. Auch die Europäische Kommission muss den Beschluss des Europäischen Parlaments endlich befolgen, nachdem es Sache der Mitgliedsstaaten ist, ob sie Monstertrucks zulassen und die Lobbyarbeit für diese Fahrzeuge unterlassen."