Kritik an Kürzungen bei den Nachtzügen

13. Dezember 2014 zur Übersicht

Artikel erschienen in der Stuttgarter Zeitung am 13. Dezember 2014

Bahn Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag steigen die Preise in der ersten Klasse. Dafür ist nun der Internetzugang inklusive.

Politiker der Opposition haben die Streichung mehrerer Nachtzüge der Deutschen Bahn kritisiert. Neben den Fahrpreiserhöhungen im Nahverkehr signalisiere das "schleichende Aus" für die Nachtzüge, dass die Interessen der Bahnkunden im Konzern hintan stehen, erklärte am Freitag Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion. Das Reisen über Nacht stelle die "einzige vernünftige Alternative zum Flugverkehr auf längeren Strecken durch Europa" dar. Auch der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im EU-Parlament, Michael Cramer (Grüne), sagte, die Bahn breite mit dem Nachtzug-Aus ihrem schärfsten Konkurrenten, der Luftfahrt, "den roten Teppich" aus. Am Donnerstagabend fuhr der letzte Nachtzug von Berlin nach Paris; Politiker wie Leidig und Vertreter des Bündnisses "Bahn für Alle" protestierten dagegen im Hauptbahnhof.

Die Bahn stellt zum Fahrplanwechsel am Sonntag die Verbindungen von Amsterdam, Basel und Prag nach Kopenhagen sowie von Hamburg, Berlin und München nach Paris ein. Gekürzt wird die Linie von Warschau und Prag nach Amsterdam - sie endet nun schon in Köln. Das Unternehmen hatte das Aus für die Verbindungen mit der schwachen Nachfrage und einem Millionendefizit begründet.

Im Gegensatz zu den Autozügen will die Bahn den Nachtzug aber grundsätzlich erhalten. Die nun frei werdenden Wagen sollen die Verfügbarkeit auf den übrigen Verbindungen erhöhen. Die gibt es nach wie vor etwa von München nach Mailand, Rom oder Venedig, oder von Hamburg und Amsterdam nach Zürich.

Bernhard Knierim von "Bahn für Alle" erklärte, die Deutsche Bahn verkünde ihren Fahrgästen alljährlich zum Fahrplanwechsel neue Grausamkeiten. Die Ticketpreise im Nah- und Fernverkehr seien seit 2003 um 40 Prozent gestiegen. Das sei das Doppelte der Inflationsrate im gleichen Zeitraum. "So vertreibt die Bahn ihre Kunden."

Kunden der Deutschen Bahn müssen mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag in einigen Fällen tiefer in die Tasche greifen. Im Nahverkehr wird beispielsweise das Schöne-Wochenende-Ticket deutlich teurer, weil sich dessen Preisberechnung ändert. Im Fernverkehr bleiben angesichts der harten Konkurrenz durch die Fernbusse die Preise in der zweiten Klasse stabil. Teurer wird es für die Kunden der ersten Klasse. Sie zahlen im Schnitt 2,9 Prozent mehr. Dafür können sie im ICE-Kernnetz mit einer Länge von 5200 Kilometern kostenfrei das Internet nutzen. Eine Sitzplatzreservierung ist beim Kauf eines Erste-Klasse-Tickets künftig inklusive. Die Sparpreise auf Fernstrecken sind weiterhin ab 29 Euro zu haben, auf besonders kurzen Strecken ab 19 Euro. Beim Kauf dieser Tickets entfällt nun die Servicegebühr von fünf Euro, die bisher in Reisezentren, DB-Agenturen oder beim telefonischen Reiseservice erhoben wurde.

Im Nahverkehr wird das Bahnfahren um durchschnittlich 1,9 Prozent teurer. Die Ticketpreise gelten nach Angaben der Bahn über all dort, wo nicht der Tarif eines Verkehrsverbunds gültig ist. AFP