Intelligente Entscheidungen anstatt "intelligenter" Technik

19. Juni 2008 zur Übersicht

Michael Cramer zur Zukunft des Verkehrs und 'intelligenter' Technik

Zur heutigen Debatte über den Bericht der Abgeordneten Zita Gurmai über "intelligente Fahrzeuge" im Straßburger Plenum erklärt Michael Cramer, MdEP und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament:

"Es ist Unfug von intelligenten Autos oder Straßen zu sprechen. Wenn schon ist es der Mensch, der auf intelligente Weise damit umgeht. Im Gurmai-Bericht wird klar aufgezeigt, welche Probleme und Herausforderungen die individuelle motorisierte Mobilität mit sich bringt und welch hohen Preis die Gesellschaft in Form von Kosten und unvorstellbar vielen Menschenleben bezahlen muss. Die Energieverschwendung ist ein weiterer Aspekt, der uns ermahnt, kritisch über die überbordende Automobilität nachzudenken.

Jedem, der sich ernsthaft mit den fürchterlich vielen Verkehrsunfällen beschäftigt, die in Europa jährlich über 50.000 Menschenleben kosten, kommt zum Schluss, dass die zwei Hauptursachen für die schweren Unfälle überhöhte Geschwindigkeit und Alkoholmissbrauch sind.

Anstatt hier zu intervenieren und das Verhalten der Verkehrsteilnehmer nachhaltig zu beeinflussen, setzen wir auf immer raffiniertere technische Lösungen, die in erster Linie im Interesse der Automobilindustrie forciert werden.

Technische Lösungen werden uns in dieser Situation nur sehr bedingt weiter helfen. Wir müssen viel mehr über unser Verhalten als VerkehrsteilnehmerInnen und über unseren Lebensstil nachdenken.
Ich halte es für einen Fehler, komplizierte Technik um Automobilbereich zu subventionieren, wie dies im Bericht indirekt angedacht ist und plädiere dafür, die öffentlichen Mittel, die wir zur Verfügung haben, in den öffentlichen Personenverkehr zu investieren. Damit könnten wir Intelligenz beweisen und unseren Intellekt für die Entwicklung nachhaltiger Mobilitätsmodalitäten einsetzen, anstatt blind auf ?intelligente? Technik zu vertrauen."