Grüne begrüßen Prodis Entscheidung gegen den Brückenbau nach Sizilien

18. Mai 2006 zur Übersicht

TEN-T: "Brücke über die Straße von Messina"

Die Grünen im Europäischen Parlament begrüßen die Entscheidung Romano Prodis gegen das Prestigeprojekt seines Vorgängers Berlusconi, eine Brücke zwischen italienischem Festland und Sizilien zu erbauen.

Zu der Ankündigung der neuen italienischen Regierung Prodi, den geplanten Bau der Brücke über die Meerenge von Messina nach Sizilien aufzugeben, erklärt Michael Cramer, MdEP und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament:

"Die neue italienische Regierung-Prodi zeigt Vernunft und Einsicht mit ihrer Entscheidung, dieses größenwahnsinnige Brückenbauprojekt einzustellen. Mit der verkehrspolitisch unsinnigen Überquerung der Straße von Messina wollte sich Prodis Vorgänger Berlusconi ein überwiegend mit EU-Geldern finanziertes Denkmal setzen. Bereits im November 2005 hatten sich die europäischen Grünen erfolgreich im Europa-Parlament dafür stark gemacht, die Möglichkeiten der Co-Finanzierung des Projekts durch die EU einzuschränken.

Die Absage an den Bau der rund 6 Milliarden Euro teuren Brücke ist ein erster notwendiger Schritt bei der Rückkehr zur Vernunft in der europäischen Verkehrspolitik. Nach wie vor beeinflussen nationale Egoismen einen sinnvollen Einsatz der knappen EU-Fördermittel beim Bau der 30 Projekte der Transeuropäischen Netze (TEN-T). Diese sollen nach dem Willen der Europäischen Kommission vor allem die großen europäischen Eisenbahnmagistralen revitalisieren. Nach Auffassung der Grünen muss dabei die Priorität auf den Schienenverbindungen zwischen den alten und neuen Mitgliedsländern der EU liegen, um das Zusammenwachsen von Ost und West zu beschleunigen.

Die Aufgabe des Baus der Brücke von Messina muss als Beispiel dienen für die überteuerte Fehmarnbelt-Brücke zwischen Deutschland und Dänemark, den 250 Kilometer langen viergleisigen Tunnel zwischen München und Verona (Teilstück Brenner-Basis-Tunnel) und den West-Ost-Eisenbahntunnel durch die Alpen zwischen Lyon und Turin. Der Bau dieser Mega-Projekte bindet den Großteil der zur Verfügung stehenden EU-Mittel und verhindert den zügigen Bau von sinnvollen Verbindungen wie beispielsweise die Modernisierung der Strecke Berlin-Warschau-Riga-Tallinn oder die West-Ost Magistrale Paris-Straßburg-Wien-Bratislava."