Europäisches Zugsicherungssystem

01. April 2014 zur Übersicht

Die Weichen für ERTMS müssen jetzt gestellt werden

Im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments berichtete die Europäische Kommission heute über die erreichten Fortschritte beim Ausbau des europäischen Zugsicherungssystems ("European Rail Traffic Management System", ERTMS). Trotz klarer Erfolge bei der Lösung technischer und politischer Probleme wurde deutlich, dass eine zentrale Zulassung und Koordinierung unter dem Dach der Europäischen Eisenbahnagentur von allen Akteuren als dringlich angesehen wird. Dazu erklärt Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament:

"Wir wollen ein gemeinsames Zugsicherungssystem für Europa, keinen Flickenteppich von inkompatiblen Versionen auf der Basis von ERTMS.

Es gibt nach wie vor nämlich keine einzige Lokomotive, die auf den mehr als 6.000 bereits ausgerüsteten ERTMS-Streckenkilometern unterwegs sein kann. Die Versionen verschiedener Hersteller oder Mitgliedstaaten sind in der Praxis noch immer nicht interoperabel. So werden die sinnvollen Ziele von ERTMS – mehr Sicherheit, einfacherer Bahnverkehr über Grenzen, eine um 20% höhere Auslastung der Infrastruktur und eine Senkung der Kosten – konterkariert.

Alle Beteiligten sind sich im Grundsatz einig: Nur wenn die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) die Anstrengungen koordiniert und den Wildwuchs schrittweise zurückschneidet, kann das im Rest der Welt bereits höchst erfolgreiche ERTMS auch in Europa zu einem Vorzeigeprojekt für Innovation und effizienteren Verkehr werden.

Das 4. Eisenbahnpaket enthält die richtige Antwort: Die nationalen Behörden sollen unter dem Dach der ERA zusammenarbeiten. Und im Konfliktfall hat die europäische Agentur das letzte Wort. Anders als das Europäische Parlament, das zum gesamten 4. Eisenbahnpaket bereits Position bezogen hat, haben die Minister ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht.

Die Verkehrsminister sind deshalb eindeutig am Zug: Sie müssen die Arbeiten zur Reform der Europäischen Eisenbahnagentur beschleunigen und die Weichen für sicheren, günstigeren und zuverlässigeren Bahnverkehr in Europa stellen."