EU-Parlament stoppt Offensive der Gigaliner-Lobby

12. Juli 2007 zur Übersicht

60-Tonnen-LKW

EP sprach sich diese Woche in Straßburg in drei Abstimmungen gegen die EU-weite Zulassung von Gigalinern aus. Grüne begrüßen die Entscheidung.

Das Europäische Parlament sprach sich diese Woche in Straßburg in drei Abstimmungen gegen die EU-weite Zulassung von Gigalinern (60-Tonnen LKW) aus. Dazu erklärt Michael Cramer, MdEP und verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament:

"Die "Gigaliner"-Lobbyisten gehen momentan recht massiv vor. Gleich bei drei verschiedenen Anlässen im Europäischen Parlament 1) versuchten sie eine grenzüberschreitende Fahrerlaubnis für die größeren 60-Tonnen-LKW in der EU durchzusetzen. Das EU-Parlament hat diese Offensive der Straßenmonster-Lobby deutlich zurückgewiesen.

Solche Mammut-Straßengüterfahrzeuge sind buchstäblich und verkehrspolitisch gefährlich. Für die Verkehrssicherheit würden sie schwere Straßen-Unfälle noch schlimmer machen. Sie verursachen erheblich mehr Straßenschäden und entsprechende Infrastrukturkosten, wobei das Geld heute schon an allen Ecken fehlt. Durch die höhere Belastung der Straße verkürzen sich die Reparaturintervalle. Die Straße muss noch öfter neu asphaltiert werden. Schon jetzt beschweren sich die Autofahrer über die vielen Baustellen.

Diese schwereren LKW würden die Verlagerung auf die umweltfreundlichere und sichere Schiene bzw. den kombinierten Verkehr weiter gefährden und dem Einzelwagen-Güterverkehr auf der Schiene ein Ende bereiten.
Selbst der ADAC und die Güterverkehrslobby sprechen sich gegen die Gigaliner aus. Neben den Umbauten von Knotenpunkten, Rastanlagen und Kreisverkehren müssten auch die Brücken baulich verändert werden, was laut Positionspapier des ADAC "Die Supertrucks - Belastung statt Entlastung" alleine schon 8 Milliarden Euro verschlingen würde.

Dass es sich bei den Gigalinern um wirtschaftliche Einzelinteressen handelt, geht schon daraus hervor, dass ein großer Anteil der heutigen 40-Tonner halb leer unterwegs ist und sogar die Anzahl der Leerfahrten immer mehr zunimmt. Es ist also nicht die Rettung für die Transportwirtschaft, auf größere LKW umzusteigen.

Die Argumentation der Einsparung von Emissionen ist gesamtwirtschaftlich gesehen nicht schlüssig: Wer heute mittels Gigalinern den Transport auf der Straße noch attraktiver macht, verhindert den Aufbau eines umweltgerechten Verkehrssystems.

Deshalb begrüßen die Grünen/EFA, dass das EP mit großer Mehrheit diesen Lobbyisten-Interessen nicht nachgibt, denn sie liefen auf eine Zunahme des Straßengüterverkehrs und somit der lokalen Umweltschäden sowie einer weiteren Zunahme von klimaschädlichen Emissionen hinaus."

Anmerkungen:

1) ein Änderungsantrag zugunsten der Gigaliner zum Barsi-Pataky Bericht (Nachhaltige Mobilität) wurde heute im Plenum mit klarer Mehrheit abgelehnt, weitere Versuche der Gigaliner-Lobby, Änderungen beim Bericht Cramer (Evaluierung des ersten Eisenbahnpaketes) im Plenum und beim Ayala-Sender Bericht (Güterlogistik) bei der heutigen Abstimmung im Verkehrsausschuss zu erreichen, waren nur teilweise erfolgreich.