Brenner: Nachholbedarf bei Zubringern

20. Juli 2016 zur Übersicht

Artikel von Felix Kozubek im Wirtschafts Blatt vom 20.07.2016

Die Bayern hinken beim Ausbau der Unterinntaltrasse hinterher. Unternehmer fürchten Überlastung.

INNSBRUCK. Der Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr des Europäischen Parlaments auf Besuch in Tirol - ihre Mission: sich einen Eindruck davon zu machen, wie es um den Brennerbasistunnel und dessen Zubringerstrecken steht.

Der Gotthardtunnel dient dabei als mahnendes Beispiel, denn: "Nach der Eröffnung des Gotthardtunnels haben wir gesehen, welches Problem entstehen kann, wenn die Zubringerstrecken nicht entsprechend funktionieren und ausgebaut sind. Wenn man 20 Jahre an einem Projekt baut, das Zigmilliarden Euro kostet, darf es an so etwas nicht scheitern", erklärt der Ausschussvorsitzende, Michael Cramer.

Im Gespräch sind unter anderem Verladestationen an der nördlichen Zubringerstrecke von Bayern in Richtung Brenner sowie eine Verbreiterung der Strecke auf Gleis drei und vier. Während die Unterinntaltrasse auf der österreichischen Seite schon gut ausgebaut ist, gibt es auf bayrischer Seite keine genauen Pläne. "Die Zubringerstrecken müssen so schnell wie möglich fertiggestellt werden. Spätestens mit der Tunneleröffnung muss alles stehen", so Cramer.

Das sieht auch die Tiroler Wirtschaft so. "Es ist zwar kein Feuer am Dach, aber je schneller wir zu einer Lösung kommen, desto besser. In Tirol treffen der Nord-Süd-und der West-Ost-Verkehr aufeinander. Wir haben zwar noch Kapazitäten, aber auch sie sind irgendwann erschöpft", erklärt Josef Ölhafen, Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr, der Wirtschaftskammer Tirol.

Das zweite Thema, mit dem sich die Mitglieder des Europäischen Parlaments in Tirol beschäftigen, ist das sektorale Fahrverbot, das ab 1. Oktober 2016 stufenweise auf der Inntalautobahn eingeführt werden soll. "Auch hier gibt es unterschiedliche Positionen. Ich bin zuversichtlich, dass es diesmal halten wird", so der Ausschussvorsitzende Michael Cramer. Seine bayrischen Ausschusskollegen sahen das anders. "Am Ende wird der EuGH entscheiden", so Camer.

Für die Tiroler Wirtschaftskammer ist das sektorale Fahrverbot kein großes Problem. "Uns trifft das Fahrverbot für schadstoffreiche Schwerfahrzeuge deutlich stärker. Für unsere heimische Wirtschaft bedeutet das nämlich immens hohe Investitionen in neue Fuhrparks", so Ölhafen.