EU-Verkehrspolitik
Zum Vorschlag der Kommission zur Reduzierung von Verkehrslärm
Ein Kommentar von Michael Cramer.
Schenkt man der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glauben, gehen aufgrund von Verkehrslärm europaweit eine Millionen gesunde Lebensjahre im Jahr verloren. Durch Verkehrslärm erkranken in Europa jährlich durchschnittlich 245.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 50.000 Menschen sterben.
Am 9. Dezember 2011 legte die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Senkung des Geräuschpegels von Pkw, Lieferwagen, Bussen und Lkw vor. Demnach sollen die Geräuschgrenzwerte von Pkw, Lieferwagen und Bussen in zwei Schritten um jeweils 2 dB(A) gesenkt werden, während Lkw-Lärm im ersten Schritt lediglich um 1 dB (A) und im zweiten Schritt dann um 2 dB (A) reduziert werden soll. Der Kommission zufolge wird dies insgesamt eine Lärmreduzierung von 25 % herbeiführen.
Grundsätzlich ist der Vorschlag der Kommission zu begrüßen. Die gültigen Geräuschlärmgrenzen stammen noch aus dem Jahr 1996 und sind somit hoffnungslos veraltet. Doch auch der aktuelle Entwurf bleibt in Anbetracht der heutigen technischen Möglichkeiten hinter seinem Potenzial zurück. Erfolge im Lärmschutz sind in der Vergangenheit durch einen Zuwachs an Verkehr oftmals zunichte gemacht worden.
Kritisch zu sehen sind die laschen Regulierungen für LKWs, die dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) zufolge 50 % des Verkehrslärms verursachen, obwohl sie nur 3% aller Fahrzeuge stellen. Des Weiteren müssen die (auf deutsche Initiative eingebrachten) geplanten Ausnahmeregelungen für besonders motorstarke Sport- und Geländewagen (SUV) gestrichen werden. Nur wenn die Politik dem immensen Druck der Autolobby standhält, wird sie die nötigen Weichen stellen können, um Mensch und Umwelt vor schädlichem Verkehrslärm zu schützen.
Dafür benötigen wir allerdings noch ehrgeizigere Grenzwerte, als die Kommission sie mit diesem ersten Schritt plant.


