„Vier Meter hohe Wände sind furchtbar“

14. Mai 2014 zur Übersicht

Artikel von Christoph Kiefer, erschienen in der Nordwest-Zeitung vom 14.5.2014

Sichtbarrieren im Stadtbild müssen nicht sein – der Europaabgeordnete Michael Cramer empfiehlt Alternativen entlang der Stadtstrecke.


Oldenburg - Die geplanten Lärmschutzwände entlang der Gleise gelten als problematisch. Bei der Auslegung der Pläne wurden die optischen Barrieren immer wieder kritisiert (NWZ? berichtete).

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Michael Cramer, teilt die Ablehnung. „Vier Meter hohe Wände sind furchtbar. Sie zerteilen eine Stadt“, sagte der Europapolitiker bei einem Redaktionsbesuch in der NWZ.

Der 64-jährige Westfale, seit 2004 Mitglied im Europäischen Parlament, hält hohe Wände für verzichtbar. Eine Alternative sind nach seiner Überzeugung 55-Zentimeter-Wände unmittelbar rechts und links der Gleise. „Sie sind wirksamer, weil sie den Lärm unmittelbar am Ort der Entstehung dämpfen.“

Hiltrud Neidhardt leuchten die Vorteile niedriger Wände ein. „Das überzeugt uns total“, erklärte die Grünen-Politikerin. „Hohe Wände würden das Stadtbild verschandeln.“ Der Bahn-Experte der Grünen, Ratsherr Armin Frühauf, ist weniger euphorisch. Das Problem seien nicht technische, sondern rechtliche Fragen. Zum Beispiel fielen bei der Lärmmessung „Rechts- und Lebenswirklichkeit“ auseinander.

Nach Einschätzung von Cramer gibt es einen weiteren Ansatzpunkt gegen Lärm: die Umrüstung der Waggon-Bremsen auf so genannte Flüsterbremsen. Cramer spricht von 1700 Euro Kosten pro Waggon für die Umrüstung. Zudem sollte die Maut für Güterverkehr deutlich stärker als bisher die Lärmimmission berücksichtigen. Cramer: „Leisere Züge müssen sich für die Betreiber lohnen.“ Der Verkehrspolitiker fasst zusammen: Durch Lärmschutz an den Gleisen, Flüsterbremse und häufigeres Schleifen der Schienen ließe sich der Lärm halbieren.