PM: Eröffnung des Gotthard-Tunnels - Die Schweiz macht es Europa vor

28. Mai 2016 zur Übersicht

Michael Cramer - Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament

Eröffnung des Gotthard-Tunnels

Die Schweiz macht es Europa vor

 

Nach 17 Jahren Bauzeit wird am 1. Juni in der Schweiz der neue Gotthard-Basistunnel offiziell eingeweiht. Der mit einer Länge von 57 km längste Tunnel der Welt soll den alpenquerenden Güterverkehr auf der Schiene um bis zu 30% effizienter machen. Dazu erklärt Michael Cramer, Europa-Abgeordneter der Grünen/EFA und Vorsitzender des Verkehrsausschusses:

„Die Schweiz macht Europa einmal mehr vor, wie eine kluge und nachhaltige Verkehrspolitik aussieht. Mit dem Rückenwind erfolgreicher Volksentscheide arbeiten die Eidgenossen seit bald drei Jahrzehnten daran, den Schutz des Alpenraums und unseres Klimas mit den Mobilitätsbedürfnissen vereinbar zu machen.

 

Dazu setzen sie auf eine konsequente Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene. Der Gotthard-Tunnel ist das sichtbarste Zeichen der vorbildlichen Schweizer Verkehrspolitik und eine Investition in die Zukunft ganz Europas.

 

Und auch die Verlagerung der Finanzierung von der Straße auf die Schiene ist vorbildlich. Das Geld für den Tunnel machte nämlich die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) möglich, die auf allen Straßen und für alle LKW ab 3,5 Tonnen gilt. Sie ist dreimal so hoch wie in Deutschland, wo sie nur auf Autobahnen und einigen Bundesstraßen gilt und nur für LKW ab 7,5 Tonnen.

 

Der Verkehr auf dem wichtigsten Eisenbahnkorridor zwischen Rotterdam und Genua wird durch den neuen Tunnel deutlich attraktiver, denn die Züge - Personen- und Güterzüge - können künftig schneller, energiesparender und mit mehr Ladung unterwegs sein.

 

Leider kann der neue Tunnel seine Stärken auf viele Jahre hin nicht voll ausspielen, weil sowohl Italien als auch Deutschland die Zulaufstrecken im Norden und Süden nicht wie vereinbart ausgebaut haben. Obwohl bereits 1996 im Abkommen von Lugano klare Abmachungen getroffen wurden, soll der Ausbau auf deutscher Seite zwischen Karlsruhe und Basel erst 2041 abgeschlossen sein.

 

Und die italienische Regierung will zwar Milliardenausgaben für Konkurrenzprojekte nach Österreich (Brenner-Basistunnel) und Frankreich (Basistunnel Lyon-Turin) machen, lässt die Anbindung des Gotthard-Tunnels jedoch auf ihrem Staatsgebiet mit 140 Millionen Franken durch die Schweiz finanzieren.

 

Dabei ist es für Italien kein Problem, eine Kostensteigerung für Lyon-Turin von 12 auf 26 Mrd Euro zu akzeptieren, wodurch statt drei danach lediglich fünf Züge pro Tag (!) verkehren werden. Das ist eine Schande für Europa! Anstatt Milliarden von Euro in immer neue Großprojekte zu stecken, die bestenfalls in Jahrzehnten fertiggestellt werden können, sollten die Regierungen und die EU die bestmögliche Integration des neuen Gotthard-Tunnels in das europäische Netz als oberste Priorität konsequent angehen.“