Neubaustrecke Wendlingen - Ulm: EU-Kommission attestiert Untauglichkeit für normalen Güterverkehr

02. Mai 2013 zur Übersicht

Ein Artikel von Michael Cramer, erschienen in der Zeitschift Signal, Heft Mai 2013

Angebunden an das umstrittene Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21" soll zwischen Stuttgart und Ulm mit finanzieller Unterstützung der EU eine Naubaustrecke für 3 Milliarden Euro errichtet werden. Sie soll eine Alternative zu der sehr steigungsreichen Bestandsstrecke über die Geislinger Steige sein und Teil des europäischen Korridors Paris—Bratislava werden. Auf Anfrage der Grünen bestätigte die Europäische Kommission nun jedoch, dass der geplante Abschnitt zwischen Wendlingen und Ulm noch steiler als die bestehende Verbindung werden soll und deshalb „für die Neubaustrecke Gewichtsbegrenzungen bzw. eine stärkere Leistung/Zugkraft erwogen" werden.

Mit anderen Worten: Ein normaler Schienengüterverkehr wird dort, wie auch auf der Geislinger Steige, unmöglich sein– und das Projekt wird damit unwirtschaftlich. Denn der Personenverkehr kann die Strecke unter keinen Umständen auslasten, da 70 Prozent der Passagiere im Stuttgarter Bahnhof ein- und aussteigen und gar nicht nach oder von Ulm reisen.

Für viele wichtige Projekte wird kein Geld bewilligt. Das gilt für die Lückenschlüsse von Berlin nach Polen (Swinemünde, Stettin und Breslau) ebenso wie für die Ertüchtigung der Gäubahn von Stuttgart Richtung Zürich oder der Südbahn von Ulm Richtung Bregenz und auch für den Wiederaufbau der in den letzten Kriegstagen durch deutsche Truppen zerstörten Eisenbahnbrücke zwischen Freiburg und Colmar. Aber für einen Bahnhof, der weniger leistungsfähig ist als der existierende Kopfbahnhof, und für eine Neubaustrecke, die steiler ist als die vorhandene, werden 10 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Die Antworten der Europäischen Kommission verdeutlichen: All das ist eine milliardenschwere Fehlplanung gegen jeden verkehrspolitischen Verstand.

 

Meine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung an die Kommission vom 22. Januar 2013 ist hier einsehbar; die Antwort der Kommission vom 22. Januar 2013 findet sich hier.