Mehr Platz für Fahrräder im Regionalexpress Berlin-Brandenburg

03. Mai 2016 zur Übersicht

Der EU-Abgeordnete Michael Cramer (Grüne) kritisiert, dass die Kapazitätsprobleme den Fahrradtourismus ausbremsen. In dieser Branche würden europaweit 44 Milliarden Euro jährlich umgesetzt, sagt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses in Brüssel, doch der Ausbau der Infrastruktur hinke vielerorts hinterher. Zudem sträube sich die Deutsche Bahn, eine Fahrradmitnahme auch in ICE-Zügen zu ermöglichen.

 

Potsdam (MOZ) Auf vier Brandenburger Regionalexpressstrecken werden bis Herbst spezielle Fahrradabteile eingesetzt. Mit dem Pilotprojekt reagiert der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) auf Beschwerden von Fahrgästen, die ihr Rad nicht mit in den Zug nehmen konnten.

In ausgewählten Regionalexpress-Linien soll mehr Platz für Räder geschaffen werden.

Vor allem an Sonntagen kommt es immer wieder zu chaotischen Szenen auf Bahnhöfen in der Region. So ist es beispielsweise für viele Radausflügler, die in Berlin starten, schlichtweg unmöglich, einen Platz in Regionalzügen in Richtung Norden zu ergattern. In der umgekehrten Richtung gibt es in den Abendstunden ebenfalls Engpässe. Tagestouristen müssen auf Brandenburger Bahnhöfen ausharren.

Die Folgen seien Stresssituationen, Konflikte sowie Verzögerungen beim Einstieg, verdeutlicht VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel zum Projektstart. Daher wolle man deutlich mehr Kapazitäten für Fahrräder in den Zügen schaffen und die Orientierung für Reisende erleichtern. Insgesamt würden bis Oktober 35 fahrradfreundliche Züge auf den Linien RE2, RE3, RE4 und RE5 eingesetzt.

Die Abteile mit Klappsitzen werden bis Ende Mai umgerüstet, um mehr Platz für Räder zu schaffen. Dort gibt es dann weniger Sitzplätze. Große Markierungen mit Fahrradsymbolen sollen deutlich machen, dass Bikes Vorrang haben. "Dies ist in den Beförderungsbestimmungen zwar nicht so direkt vorgesehen, wir probieren es aber", sagt Henckel. Sie hofft darüber hinaus auf mehr Rücksichtnahme der Fahrgäste untereinander.

Berlins Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) spricht von einem "großen Schritt zu mehr Fahrradfreundlichkeit in der Bahn". Gleichzeitig erinnert er daran, dass die Fahrradmitnahme auf den hochfrequentierten Linien RE3 und RE5, die von der Deutschen Bahn betrieben werden, in der Ausschreibung durch die Länder Brandenburg und Berlin festgeschrieben war. "Dieses Pilotprojekt wird sich bewähren", sagt er.

Der EU-Abgeordnete Michael Cramer (Grüne) kritisiert, dass die Kapazitätsprobleme den Fahrradtourismus ausbremsen. In dieser Branche würden europaweit 44 Milliarden Euro jährlich umgesetzt, sagt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses in Brüssel, doch der Ausbau der Infrastruktur hinke vielerorts hinterher. Zudem sträube sich die Deutsche Bahn, eine Fahrradmitnahme auch in ICE-Zügen zu ermöglichen.

Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer der Ostdeutschen Eisenbahn als Betreiber der Strecken RE2 und RE4, räumt regelmäßige Beschwerden ein, hofft aber, dass durch den Umbau die Probleme entscheidend verringert werden. Jörg Pöhle, Marketingleiter bei DB Regio Nordost, spricht von einem "riesigen Bedarf" auf den Nord-Süd-Verbindungen. Zum Jahresende soll dann geprüft werden, ob sich die Fahrradabteile bewährt haben.

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