Klimaschädlicher Billig-Boom

06. Februar 2019 zur Übersicht

Artikel erschienen in "Südwest Presse" am 6.2.2019

boomt: Während vor 20 Jahren in Deutschland 62 Millionen Fluggäste gezählt wurden, sind es heute 213 Millionen pro Jahr. Zugleich fallen die Preise. Doch Flugreisen sind Klimakiller, sagen Umweltschützer. Sie fordern, dass die Gesellschaften einen größeren Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten müssen. Die Politik hält sich zurück.

Von Dorothee Torebko

Ein Flieger produziert durch das Verbrennen von Kerosin das klimaschädliche CO2. "Fliegen ist mit Abstand die umweltschädlichste Art des Reisens", sagt der Verkehrsreferent Michael Müller-Görnert vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD). Flugzeuge produzieren siebenmal mehr CO2 pro Personenkilometer als Bahnen. Ein Flug von Berlin nach New York ist so schädlich, wie ein Jahr mit dem Auto durch die Gegend zu fahren.

Problematisch sind aber auch die emittierten Stickoxide, der Ruß und die Kondensstreifen. Letztere stehen im Verdacht, zum Treibhauseffekt beizutragen und damit genauso schädlich zu sein wie CO2. "Dennoch leistet der Flugverkehr keinen Beitrag für den Klimaschutz", moniert Müller-Görnert. Dabei gäbe es Möglichkeiten.

Seit Jahren fordert der Grünen-Verkehrspolitiker Michael Cramer eine Kerosin- und Mehrwertsteuer für die Luftfahrt. "Andere Verkehrsträger wie die Bahn werden stark benachteiligt", kritisiert der Europa-Abgeordnete. "Es kann doch nicht sein, dass die klimafreundliche Bahn noch zusätzlich durch Steuern belastet wird und eine Bahnfahrt nach Paris am Ende das Fünffache von dem kostet, was ein Flugreisender zahlt."

Eine Kerosinsteuer wurde auf europäischer Ebene bereits diskutiert. Allerdings blockierten die USA, China und Russland nach dem Motto: Wenn wir zahlen müssen, fliegen wir Europa nicht mehr an. Die Idee wurde fallengelassen. "Doch die EU könnte vorangehen, indem innereuropäische Flüge besteuert werden", sagt Cramer. Bisher findet der Vorschlag aber kaum Anklang.

Fluggesellschaften gehen einen anderen Weg. Sie wollen ab 2020 CO2-neutral wachsen und bis 2050 sollen die Emissionen der Luftfahrt verglichen mit 2005 sogar halbiert werden. Um das zu schaffen, investieren die Airlines in nachhaltiges Benzin, neue Triebwerke und leichtere Maschinen. Das Problem: Das Ganze ist teuer. Anfang des Jahres forderte die Atag, ein Zusammenschluss von Gesellschaften, Triebwerkherstellern und Fluglotsendiensten, eine staatliche Unterstützung der Luftfahrt. Das heißt: Ohne Finanzspritzen kein Umwelschutz.