Ingo Schmitt mit schlechtem Gedächtnis

23. Juni 2005 zur Übersicht

Abkoppelung der Bahnhöfe Zoo und Ostbahnhof

Die Grünen haben schon in den 90er Jahren vor der Abkoppelung von Zoo und Ostbahnhof gewarnt. CDU-Landeschef Ingo Schmitt stand damals hingegen noch für das Pilzkonzept.

Zur Debatte um die geplante Abkoppelung des Bahnhofs Zoologischer Garten und des Ostbahnhofs vom Fernverkehr und zur jetzt vom EU-Parlamentarier Ingo Schmitt initiierten Unterschriftenkampagne erklärt Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im EP und Berliner Europaabgeordneter:

Der neue Chef der Berliner CDU, Ingo Schmitt, hat ein schlechtes Gedächtnis. Als Staatssekretär unter dem legendären Verkehrssenator Haase (CDU) hatte er zu Beginn der 90er Jahre dem Pilzkonzept zugestimmt. Mit der Unterstützung von Eberhard Diepgen (CDU), Dietmar Staffelt (SPD), Bahnchef Dürr (CDU) und den Bundesverkehrsministern Krause/Wissmann (beide CDU) wurde das Konzept gegen die Grünen beschlossen.

Als verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion im Abgeordnetenhaus habe ich schon damals darauf hingewiesen, dass die Züge durch Berlin zwar schneller fahren, die Reisezeit für die Fahrgäste aber bis zu 30 Minuten länger dauern wird, weil die Bahnhöfe Zoo und Ostbahnhof - damals noch Hauptbahnhof - vom Fernverkehr abgekoppelt und zu Haltepunkten des Regionalverkehrs degradiert werden. Auch dem Flughafenbahnhof Schönefeld, neben Frankfurt der einzige ICE-Flughafen-Bahnhof in Deutschland, drohte das gleiche Schicksal.

Aus all diesen Gründen favorisierten wir das Ringkonzept, das für die dezentrale Stadtstruktur für die Fahrgäste die beste Alternative darstellt. Statt Zentralbahnhof und vier Gleise im Nord-Südtunnel milliardenschwer zu bauen, hätten für 20 Mio. DM die Bahnsteige am Bahnhof Zoo verlängert werden können. Dort ist zudem auch schon die nahverkehrliche Anbindung vorhanden, für die am Lehrter Bahnhof wie von uns prognostiziert - heute das Geld fehlt.

Mein Vergleich war damals: Was Berlin mit Pilzkonzept und Zentralbahnhof beabsichtigt, wäre vergleichbar, wenn man im Ruhgebiet in Wanne-Eickel einen Zentralbahnhof bauen und die Hauptbahnhöfe Essen, Dortmund und Bochum vom ICE-Fernverkehr abkoppeln würde. Über diesen Vergleich haben Schmitt, Diepgen und Staffelt damals gelacht, heute weinen sie Krokodilstränen.

Unabhängig vom Gedächtnisschwund der damaligen Entscheidungsträger bleiben Senat, Bahn und Bundesregierung aufgefordert, Zoo und Ostbahnhof nicht vom ICE-Verkehr abzukoppeln. Notwendig ist es, einen Mix aus Regional- und Fernverkehr auf den Gleisen von Nordring, Tunnel und Stadtbahn zu realisieren.