ICE Hamburg - Berlin muss in europäisches Netz eingebunden werden

09. Dezember 2004 zur Übersicht

Am 12. Dezember 2004 wird die ausgebaute ICE-Strecke Hamburg - Berlin eröffnet. Die beiden Metropolen sind damit in neuer Rekordzeit miteinander verbunden. Als "wichtigen Sieg des Rad-Schiene-Systems" begrüßen die Grünen/EFA im Europäischen Parlament die Eröffnung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs. Die neue Strecke müsse zudem besser in das europäische Netz eingebunden werden.

Zur Eröffnung der ausgebauten ICE-Strecke Hamburg - Berlin am 12. Dezember 2004 erklärt Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

"Die Verbindung zwischen Hamburg und Berlin ist endlich auf den Standard des 21. Jahrhunderts gebracht worden. Jetzt können Züge die knapp 300 Kilometer in rund eineinhalb Stunden zurücklegen - die Strecke ist für Geschwindigkeiten bis zu 230 km/h ausgebaut. Damit die neue Strecke auch für den europäischen Bahnverkehr ein Gewinn wird, ist der Ausbau der Verbindung in Richtung Prag und weiter nach Bratislava, Wien, Budapest und Ljubljana dringend erforderlich.

Die Eröffnung einer schnellen Verbindung zwischen den beiden größten deutschen Städten hätten wir schon vor zehn Jahren feiern können, wenn nicht wichtige Zeit mit dem Transrapid-Abenteuer vergeudet worden wäre. Die Erfahrung mit dem gescheiterten Transrapid zwischen Spree und Alster sollte all jenen zu denken geben, die immer wieder neue Magnetbahn-Abenteuer vorschlagen - so wie der Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler (CSU) oder jüngst der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), der das System auf der Strecke Berlin-Warschau einsetzen will.

Es ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland beispielloser Skandal, dass sich der Berliner Senat der großen Koalition - egal ob der Verkehrssenator Klemann (CDU) oder Strieder (SPD) hieß - jahrelang weigerte, das Planfeststellungsverfahren für die Dresdner Bahn einzuleiten. Ohne diese Blockade wäre das vom damaligen Bundesverkehrsminister Wissmann vorgelegte Projekt schon längst fertiggestellt.

Allerdings ist es kein Fortschritt für den Eisenbahnverkehr, wenn die Nachteile des Transrapid kopiert oder gar noch übertroffen werden. Der ICE zwischen Hamburg und Berlin wird die Entfernung ohne Zwischenstopp zurücklegen. Für Brandenburg und insbesondere den Eisenbahnknotenpunkt Wittenberge bedeutet dies, dass sie vom Hochgeschwindigkeitszeitalter abgehängt werden. Regionen werden nur dann erschlossen, wenn die Hauptstrecken mit den vielen Nebenstrecken zu einem attraktiven Netz verknüpft werden.

Nicht nur Wittenberge, auch Spandau und damit das Havelland mit einem Einzugsbereich von 400.000 Einwohnern wird abgehängt. Gleichzeitig ist der Massenandrang auf den Bahnsteigen des Bahnhofs Zoologischer Garten nicht nur fahrgastfeindlich, der Aufenthalt dort - insbesondere in Ferienzeiten oder zur Weihnachtszeit - lebensgefährlich.

Wir fordern daher

- einen regelmäßigen Halt der ICE's auch im Bahnhof Spandau

- den schnellstmöglichen Abschluss des Planfeststellungsverfahren für die Dresdner Bahn

- den unverzüglichen Baubeginn und die Sicherung der Finanzierung

- schnellstmögliche Fertigstellung der Strecke zwischen Berlin und der tschechischen Grenze."