Grüne/EFA kritisieren Ausstiegsbeschluss der Deutschen Bahn - DB-Beteiligung am "Airbus der Schiene" muss fortgesetzt werden

20. Oktober 2004 zur Übersicht

Der deutsche Ausstieg aus dem europäischen Projekt ist ein herber Rückschlag für die Harmonisierung des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs.

Als "herben Rückschlag" für den grenzüberschreitenden Hochgeschwindigkeitsverkehr hat Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, die Entscheidung der DB AG bezeichnet, aus der Entwicklung des europäischen Hochgeschwindigkeitszuges 'High Speed Train Europe" (HTE) auszusteigen.

Am Dienstag hat die Deutsche Bahn AG ihre Beteiligung an der Entwicklung des europäischen Hochgeschwindigkeitszuges 'High Speed Train Europe" (HTE) eingestellt. Mit dem Projekt, 1999 von der DB AG und der französischen SNCF gestartet, soll eine europäische Zugfamilie mit vielen Gleichteilen entwickelt werden. Ziele sind Kostensenkung und die Vereinheitlichung unterschiedlicher Normen.

Zum Ausstieg der DB AG erklärt Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

"Der europäische Bahnverkehr braucht mehr Kooperation - und nicht weniger. Der "Airbus für die Schiene" ist ein ambitioniertes Projekt, mit dem mittel- und langfristig Kosten gesenkt und technische Schwierigkeiten beim Einsatz in verschiedenen Schienennetzen überwunden werden können. Die Entscheidung der Deutschen Bahn, die Entwicklung einer gemeinsamen Zugfamilie für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zu beenden bzw. einzufrieren, ist daher für die Harmonisierung des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs ein herber Rückschlag.

Nur durch eine verstärkte Zusammenarbeit - auch mit der Bahnindustrie -können die Bahnen erfolgreich sein und Marktanteile im grenzüberschreitenden Verkehr gewinnen. Der Ausstiegsbeschluss der DB ist daher kurzsichtig - vor allem, wenn Frankreich und Italien die Arbeit am "Airbus der Schiene" nun ohne die DB AG fortsetzen.

Die deutsche Seite muss jetzt schnell an den Planungstisch zurück, um ein Aus für den europäischen Hochgeschwindigkeitszug zu verhindern. Bei der weiteren Entwicklung muss sichergestellt werden, dass die Harmonisierungen nicht auf einzelne Systeme bzw. Hersteller zugeschnitten sind und somit den Markt monopolisieren würden. Vielmehr sollen die einheitlichen Standards dafür sorgen, faire Bedingungen für den Wettbewerb und den Zugang aller Anbieter auf der Schiene zu schaffen."