Europaparlament drängt Kommission zu mehr Klarheit bei PKW-Maut

16. März 2017 zur Übersicht

Artikel erschienen auf "politico.eu" am 15.03.2017

Straßburg fordert Offenlegung von umstrittenem Kompromiss mit der Bundesregierung

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Von Joshua Posaner

Das Europaparlament hat heute den Druck auf die Europäische Kommission erhöht, eine im Dezember mit der Bundesregierung getroffene Vereinbarung zur Pkw-Maut zu veröffentlichen.

Eine nicht-verbindliche Resolution – angenommen mit 510 Stimmen und 126 Ablehnungen, bei 55 Enthaltungen – fordert die Kommission auf, das Abkommen zur Einführung der umstrittenen Maut offenzulegen und zu erklären, warum ein zuvor gegen Deutschland eingeleitetes Vertragsverletzungsverfahren gestoppt wurde.

Deutschland ist eines der wenigen europäischen Länder, die keine Gebühr für die Nutzung ihrer Autobahnen verlangen. Der ursprüngliche Plan von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt war es, nur ausländische Autofahrer zur Kasse zu bitten, während deutsche Fahrer die Mautkosten über eine Senkung der KFZ-Steuer erstattet bekommen sollten.

Brüssel stellte sich jedoch gegen den Plan, was schließlich zu einer entschärften Fassung des Mautplanes führte, auf welche sich EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc und Dobrindt im Dezember einigten.

Der revidierte Vorschlag sieht geringere Gebühren für Kurzzeit-Vignetten, die normalerweise von ausländischen Autofahrern benutzt werden, vor und soll die Steuererleichterungen für Inländer von der Umweltfreundlichkeit ihrer Wagen abhängig machen.

Die heute vom Plenum verabschiedete Resolution wurde im Februar vom Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr des Europäischen Parlaments angenommen. Kommissarin Bulc stieß bereits Anfang des Jahres während einer Plenardebatte zu dem Thema auf heftige Kritik.

„Das Europäische Parlament stellt sich vehement gegen die deutschen Pläne für eine Ausländer-Maut und rügt die EU-Kommission für deren geheime Absprachen mit der deutschen Regierung“, sagte der grüne Europaparlamentarier Michael Cramer heute nach der Abstimmung.

“Die deutsche Maut ist unfair und gegen geltendes EU-Recht, aber es regt sich Widerstand an allen Fronten und das EU-Parlament hat sich ebenfalls deutlich ausgedrückt“, sagte der österreichische Verkehrsminister Jörg Leichtfried. Er versucht mit Deutschlands Nachbarländern eine Koalition gegen die Maut zu bilden.

 

MEPs want more details on Germany’s road toll deal with Brussels

 

Germany is one of the few countries that does not charge for using its highways.

 

The European Parliament voted Wednesday to push the European Commission for more details on its deal with Germany to amend the country’s controversial plan to bring in a road tolling system.

The Parliament’s final text — approved with 510 votes, 126 against and 55 abstentions — calls on the European Commission to make public the agreement it reached with Berlin in December and to explain why it put an infringement case over the issue on hold.

Germany is one of the few countries that does not charge for using its highways. Its original plan would have charged drivers with vehicles registered abroad, while refunding the fees Germans paid through their taxes.

But Brussels challenged the plan, and Transport Commissioner Violeta Bulc and German Transport Minister Alexander Dobrindt announced a deal to water it down in December.

The revised proposal would cut rates for short-term vignettes, or stickers typically used by foreigners to show they have paid the toll, and introduce a tax refund for locals that is pegged to the environmental impact of their vehicle.

The resolution passed the Parliament’s Transport and Tourism Committee in February. MEPs gave Bulc a rough time in a plenary debate on the issue earlier this year.

“The European Parliament is vehemently opposed to the German plans for foreigners’ tolls and is rebuking the EU Commission for their secret collusion with the German government,” said German Green MEP Michael Cramer just after Wednesday’s vote.

“The German passenger car toll is unfair and contrary to EU law, but there is resistance on all fronts and the EU Parliament has also given a clear signal,” said Austria’s Transport Minister Jörg Leichtfried. He is seeking to build a coalition of Germany’s neighbors against the proposal.