Einstellung der Relation Dresden – Görlitz – Breslau

24. Februar 2015 zur Übersicht

Offenbarungseid bei deutsch-polnischen Bahnverbindungen

Zum 1. März 2015 wird erneut eine deutsch-polnische Bahnverbindung gekappt: Die umsteigefreie Relation zwischen Dresden über Görlitz nach Breslau wird nach Kürzungen der Finanzmittel auf polnischer Seite eingestellt. [1] Erst im Dezember erlitten die grenzüberschreitenden Verkehre mit der letzten Fahrt des Eurocity „Wawel“ von Hamburg über Berlin nach Breslau einen empfindlichen Rückschlag. Zu dieser Entwicklung erklärt Michael Cramer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Europäischen Parlament:

„Die erneute Kappung einer deutsch-polnischen Verbindung kommt einem Offenbarungseid gleich. Deutschland und Polen können 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht einmal ein Mindestangebot an grenzüberschreitenden Bahnverbindungen sicherstellen.

Heute verkehren weniger Züge als zu Zeiten des Kalten Krieges. Wenn Breslau 2016 die Europäische Kulturhauptstadt wird, wäre sie nach jetzigem Stand von Deutschland aus per Zug nicht erreichbar. Das ist auch für Europa eine fatale Entwicklung. Es wird gespalten, was zusammengehört!

Statt Krokodilstränen sind nun Taten gefragt: Mit vergleichsweise geringen Investitionen lassen sich die Verbindungen fit für das 21. Jahrhundert machen. Dabei würden von Berlin nach Breslau, Stettin oder ?winouj?cie jeweils lediglich 100 Millionen Euro benötigt.

Bahnverbindungen wegen angeblich fehlender Tragfähigkeit einzustellen, ist geradezu irrsinnig, wenn zugleich 17 von 23 deutschen Flughäfen defizitär betrieben und mit Staatsgeldern gestützt werden.

‚Clever statt Klotzen‘ muss deshalb in Europa das Motto sein. Statt an Geld mangelt es zumeist an politischem Willen. Wir müssen die Investitionen ausrichten auf das Zusammenwachsen Europas, die Schaffung guter Jobs und den Schutz des Klimas.“

[1] siehe http://www.zvon.de/de/dnl/pi_einstellung_verkehr_dresden-breslau_200215.7554.pdf