CDU: Sportplatz ist wichtiger als Mauerreste

07. Juli 2005 zur Übersicht

Originale Hinterlandmauer am Nordbahnhof soll beseitigt werden

Kritik an der Berliner CDU: Sie will originale Mauerreste am Nordbahnhof beseitigen - und damit ein wichtiges Stück Erinnerung an die Teilung der Stadt.

Zum Beschluss der BVV Mitte und der Verteidigung durch Bezirksbürgermeister Joachim Zeller (CDU), die Mauerreste am Nordbahnhof zugunsten eines Sportplatzes abzureißen, erklärt Michael Cramer, stellvertretendes Mitglied des Kulturausschusses für die Grünen im Europäischen Parlament:

Die CDU kümmert sich keineswegs um ihr Geschwätz von gestern. Nachdem sie sich wochenlang für den Erhalt der Mauerkreuze am Checkpoint Charlie eingesetzt hat, wird sie nun selbst - und abermals - zur Mauer-Frevlerin. Mit Zustimmung ihres früheren Parteichefs Joachim Zeller sollen nun originalgetreue Teile der Hinterlandmauer am Nordbahnhof einem Sportplatz weichen. Das ist Heuchelei pur!

Mit ihrer umstrittenen Aktion hat Alexandra Hildebrandt den Finger in die Wunde der Großen Koalition gelegt, die in den 90er Jahren fast alle Reste von Mauer und Grenzstreifen beseitigt hatte. Anlässlich des 40. Jahrestages des Mauerbaus hatte der rot-grüne Senat 2001 alle noch verbliebenen Reste unter Denkmalschutz gestellt. In diesem Frühjahr sah sich der Senat gezwungen, ein Gedenkstättenkonzept vorzulegen.

Dabei sollte die Bernauer Straße als zentrale Mauer-Gedenkstätte - hier spielten sich die dramatischsten Szenen unmittelbar nach dem 13. August 1961 ab - mit der Hinterlandmauer am Nordbahnhof verbunden werden. Zudem muss der Mauerstreifen in Gänze für künftige Generationen vorstellbar gemacht werden, was nur an der Bernauer Straße auf einer Länge von 200 Metern möglich ist. Die in den 90er Jahren abgetragenen Segmente von Vorder- und Hinterlandmauer sowie der Kolonnenweg mit den Peitschenlampen sind noch vollständig erhalten.

Eine Verlängerung des Mauerstreifens in Richtung Gartenstraße würde auch eine Verbindung herstellen zwischen den Mauerresten von Bernauer Straße und Nordbahnhof. Voraussetzung dieser Verbindung ist aber die Einbeziehung der vollständigen Reste der Hinterlandmauer am Nordbahnhof, die mit behindertengerechten Rampen von beiden Seiten aus in den Berliner Mauerweg integriert werden muss.

Senat und Bezirk sind aufgefordert, alle Mauerreste am Nordbahnhof zu retten, den Grenzstreifen an der Bernauer Straße auf 200 Meter auszuweiten, beide Orte zu verbinden und in den Mauerweg zu integrieren. Die CDU muss sich entscheiden, ob sie die Mauerreste wirklich schützen oder nur für den Wahlkampf instrumentalisieren will.