Brüssel interessiert sich für Wendlingen–Ulm

05. April 2013 zur Übersicht

Die mit EU-Mitteln geförderte Neubaustrecke gilt als untauglich für den Güterverkehr. Ein Artikel, erschienen in der Deutschen Verkehrs Zeitung am 05.04.2013

In Brüssel gerät die geplante Schienenverbindung zwischen Ulm und Wendlingen ins Visier der EU-Politiker. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die von ihr als Teil des europäischen Paris-Bratislava-Korridors geförderte rund 3Mrd.EUR teure Neubaustrecke für den Güterverkehr weitgehend untauglich sein wird. Sie könne bestätigen, schreibt die Behörde, „dass die Neubaustrecke eine stärkere Steigung aufweist als die Bestandsstrecke über die Geislinger Steige“. Damit ist klar, dass der Streckenabschnitt, der in Zusammenhang mit dem umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 gebaut und als Alternative zur heute genutzten Verbindung befahren werden soll, nicht den Brüsseler Kriterien für den Güterverkehr auf der Schiene entspricht . Denn „der Trend geht zu einem größeren Gewicht der Züge und zu längeren Zügen“, teilt die EU-Kommission auf eine Anfrage des grünen Europaabgeordneten Michael Cramer mit.

„Eine hohe Transportkapazität pro Zug kann auch für den Infrastrukturbetreiber wichtig sein, um eine hohe Transportkapazität zu erreichen. Aus diesen beiden Gründen wird versucht, starke Neigungen auf für den Güterverkehr wichtigen Strecken zu vermeiden oder zu verringern .“ Da die neue Verbindung mit stellenweise 3,1 Prozent stärker steigt als die bestehende, werde „ein wettbewerbsfähiger Schienengüterverkehr verhindert“, betont Cramer. Er spricht von einer „milliardenschweren Fehlplanung gegen jeden verkehrspolitischen Verstand“. Unternehmen des Schienengüterverkehrs haben die Route deshalb längst aus ihren Planungen gestrichen. Die Kommission hat Cramer bestätigt, dass „für die Neubaustrecke Gewichtsbegrenzungen beziehungsweise eine stärkere Zugkraft erwogen werden“. Daraus schließt der grüne Parlamentarier: „Die Rechtfertigung der Neubaustrecke mit der starken Steigung der bestehenden Verbindung fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen .“ Darauf müsse Brüssel reagieren, denn die EU gewährt für den Neubau südlich von Stuttgart – je nach Abschnitt – Zuschüsse zwischen 12 und 14,3 Prozent des Aufwands. Die Bundesregierung hat bereits angedeutet, dass die Kosten des Projekts den veranschlagten Rahmen von rund 3 Mrd. EUR sprengen könnten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) spricht von „Risiken“ und hat vorsichtshalber schon darauf hingewiesen, dass noch kein Projekt zum ursprünglich kalkulierten Preis fertig geworden sei.