Bischof Huber liegt in der Türkei-Frage falsch

17. Januar 2005 zur Übersicht

Die EU ist eine Wertegemeinschaft. Nicht der Glaube entscheidet über die Mitgliedschaft, sondern die Einhaltung der Kopenhagener Kriterien - Reaktion auf Bischof Wolfgang Huber.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, hat sich am Sonntag in einem Interview gegen einen EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen.

Dazu erklärt Michael Cramer, Mitglied des Europäischen Parlaments:

"Bei allem Respekt vor Bischof Huber: In der Türkei-Frage liegt er falsch. Den Befürwortern wie Gegnern ist eines gemein: Die heutige Türkei kann nicht EU-Mitglied sein. Das wird sie nur, wenn die Kopenhagener Kriterien von der Türkei erfüllt werden. Dafür ist dort in den letzten Jahren schon viel geschehen, für den Beitritt heute reicht es aber noch nicht.

Wenn die Türkei in zehn oder 15 Jahren die Kriterien erfüllt, muss sie dann draußen bleiben, nur weil sie muslimisch ist? Oder darf sie Mitglied in der Wertegemeinschaft sein, obwohl sie nicht christlich ist? Das ist die entscheidende Frage, die das Europäische Parlament (EP) mit großer Mehrheit zugunsten einer Mitgliedschaft beantwortet hat.

Auch die Aufarbeitung des Völkermordes an den Armeniern ist eine Forderung, die das EP in seiner Entschließung gefordert hat.

Der Verhandlungsprozess ist offen. Er kann, aber er muss nicht zur EU-Mitgliedschaft führen. Wenn aber die Türkei die Kopenhagener Kriterien erfüllt, dann bin ich gespannt, welche Argumente der evangelische Oberhirte gegen einen Türkei-Beitritt vorbringt."