Berlin-Stettin: Kritik am langen Warten auf die kurze Fahrzeit

22. Dezember 2012 zur Übersicht

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin und der Grünen-Verkehrsexperte im Europaparlament, Michael Cramer, haben den Zeitplan für den Ausbau der Bahnverbindung zwischen Berlin und dem polnischen Stettin (Szczecin) kritisiert. Erschienen in der Berliner Morgenpost vom 22.12.2012.

"Papier ist geduldig, Fahrgäste sind es nicht", sagte Cramer. Die Bahnverbindung zwischen beiden Städten biete seit Jahren ein Verkehrsangebot und Fahrzeiten, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg üblich waren. "Eine weitere Verschiebung auf das Jahr 2020 ist daher nicht akzeptabel", so Cramer. Die IHK fordert, auch andere grenzüberschreitende Bahnverbindungen zügig zu verbessern. "Die Einigung ließ aus Sicht der Berliner Wirtschaft schon viel zu lange auf sich warten", sagte Vize-Geschäftsführer Christian Wiesenhütter.

Wie berichtet hatten Deutschland und Polen am Donnerstag den Ausbau der grenzüberschreitenden Schienenstrecke vereinbart. Bis 2020 soll die etwa 150 Kilometer lange Strecke für eine Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern ausgebaut und durchgehend elektrifiziert werden. Noch klafft zwischen Passow und Stettin eine Lücke im Oberleitungsnetz. Durch das Umspannen auf Dieselloks verliert der Großteil der Züge viel Zeit. Die wenigen Direktzüge, die auf der gesamten Strecke mit Dieselloks fahren, sind trotzdem knapp zwei Stunden unterwegs. Ab 2020 soll sich die Fahrzeit auf 90 Minuten reduzieren. Geschätzte Kosten auf deutscher Seite: 100 Millionen Euro.