Berlin braucht Orte des Erinnerns an das "Monstrum"

05. November 2004 zur Übersicht

Zum bevorstehenden 15. Jahrestag des Mauerfalls und den aktuellen Debatten um die Gedenkstätte des Museums "Haus am Checkpoint Charly" erklärt Michael Cramer, Mitglied des Europäischen Parlaments:

Am 9. November jährt sich zum 15. Mal der Jahrestag des Mauerfalls. Aus diesem Grund hat sich das Mauermuseum dazu entschlossen, am Checkpoint Charly eine Gedenkstätte zu errichten.

Diese Gedenkstätte ist umstritten. Sie weist aber darauf hin, dass der Anregung von Willy Brandt, die er am 10. November 1989 vor dem Schöneberger Rathaus gab, nicht Folge geleistet wurde. Er forderte nämlich, "ein Stück von jenem scheußlichen Bauwerk als Erinnerung an ein historisches Monstrum stehen zu lassen."

- Am Checkpoint Charly war die Verwertung der Grundstückslücke wichtiger als die Erinnerung an das "Monstrum".

- An der Bernauer Straße wurde ein künstlerischer Wettbewerb ausgeschrieben anstatt auf 200 Meter Länge die gesamte Grenzanlage mit Mauer, Todesstreifen, Lichtmasten und Hinterlandmauer stehen zu lassen.

- Das "Parlament der Bäume gegen Krieg und Gewalt" von Ben Wargin war nicht Bestandteil der Planungen für das Parlaments- und Regierungsviertel und steht auch heute noch nicht unter Denkmalschutz.

Im Gegensatz zu dem ignoranten Verhalten des Berliner Senats - die übrig gebliebenen Mauerreste wurden erst 2001 vom rot-grünen Übergangssenat unter Denkmalschutz gestellt - erinnern Mauersegmente sowohl im UNO-Garten in New York als auch im Brüsseler Park Leopold an dieses "Monstrum".
Die Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament gedenkt am 15. Jahrestag mit einer Ausstellung in Brüssel an den Mauerfall, die vom ehemaligen Solidarnosc-Aktivisten und polnischen Außenminister Bronislaw Geremek eröffnet wird (siehe auch unter Termine).

Der Berliner Senat wird aufgefordert, das noch bestehende Ensemble des "Parlaments der Bäume" unter Denkmalschutz zu stellen und die Grenzanlagen an der Bernauer Straße auf einer Länge von 200 Metern im Originalzustand als Ort des Erinnerns wieder aufzubauen. Die zwischenzeitlich abgebauten Mauersegmente dort sind allesamt noch vorhanden.