Begegnung auf der Barbarabrücke

26. Juli 2013 zur Übersicht

Ein Artikel erschienen in den Weinheimer Nachrichten am 26. Juli 2013

Bahnlärm: Grüne Europa-Abgeordnete Michael Cramer und Franziska Brantner beeindruckt von der Arbeit der Weinheimer Bürgerinitiative.

 

Weinheim. Gleich zwei Europa-Abgeordnete interessierten sich für den Weinheimer Bahnlärm. Dazu kamen sie auf der Barbarabrücke über den geräuschvollen Gleisen mit der Bürgerinitiative "Schutz vor Bahnlärm" zusammen und saßen anschließend auf einer schattigen, aber lauten Terrasse im Musikerviertel.

Michael Cramer und Franziska Brantner, die beiden Grünen Europa-Parlamentarier, hatten jeweils ihre Gründe, den Weinheimer Lärm anzuhören: Cramer ist verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Europa-Fraktion, Brantner Bundestagskandidatin für den hiesigen Wahlkreis. Beeindruckt  zeigten sich beide von Zahlen und Berichten, vorgelegt von der Initiative mit Dr. Hans Irion, Joachim Körber und Peter Thunsdorff. Demnach hat der Weinheimer Streckenabschnitt südlich des Bahnhofs nicht nur das höchste Aufkommen an Güterzügen bundesweit, sondern verursacht in der Folge auch die massivsten Lärmprobleme, da fi.ir die nahen Wohngebiete kaum ein Schutz besteht.

Die beiden Abgeordneten bestärkten die Initiative in ihren weiteren Überlegungen und Vorhaben: Natürlich sei Lärmschutz wichtig, besser aber noch sei die Minderung der Ursache. Das Hauptproblem ist bekannt: die veralteten, aber noch genehmigten, lauten Güterwaggons, die vor allem nachts die Anwohner aus dem Schlaf reißen. Dabei werden die hohen Lärmwerte nur gemittelt erfasst, was den tatsächlichen Störungen nicht entspricht. So gibt es Studien, die bestätigen, was viele Weinheimer spüren: Störend sind speziell die heftigen Spitzenwerte, vor allem nachts. 17 000 vom Lärm Betroffene gibt es in Weinheim, 1400 davon sind sogar in der Gesundheit gefährdet. Das haben städtische Berechnungen ergeben.

Angesichts dieser Zahlen und gerade im Wahljahr müsste sich doch etwas bewegen lassen, hoffen nun alle Lärmgeschädigten: Da die Bundesregierung zuständig ist und nicht die Landesregierung, sollte in Berlin entschieden werden, dass nicht nur an Neubaustrecken, sondern auch an bestehenden Abschnitten geringere Grenzwerte einzuhalten sind. Die Umrüstung der Güterzüge sollte von Berlin aus forciert werden, damit der Lärm schon an der Quelle reduziert wird.

 

Stuttgart 21 blockiert

Allerdings sieht Cramer nicht allzu große Chancen: ,,Wenn Stuttgart 2l gebaut wird, ist 20 Jahre lang kaum Geld für  irgendetwas anderes da", so seine Einschätzung. Andererseits sieht er Möglichkeiten der Wiederaufnahme von Weinheim in das zusätzliche Lärmsanierungsprogramm der Bundesrepublik. Das müsste unterstützt werden durch neue, beispielsweise von der EU bezahlten Gutachten, denn die immerhin verbale Unterstützung aus dem Verkehrsministerium dürfte nicht ausreichen. "Und wenn ein leiserer Güterzug nur ein Prozent weniger an Trassengebühr zahlen muss als ein lauter, dann ist das kein Anreiz zur Umrüstung", waren sich Initiative und Parlamentarier einig.

Deutlich wurde, dass die Initiative nicht nachlassen wird, bei allen Parteien Hilfe zu fordern, ganz im Sinne der vielen Lärmgeschädigten östlich, nun auch vermehrt westlich der Bahn: ,,Hier hat sich durch die Neubauten eine enorme Lärmreflexion ergeben. Da helfen Lärmschutzwände kaum. Es muss an der Quelle, an den Güterzügen selbst angesetzt werden - oder mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung, wie das bei überörtlichen Straßen möglich ist." Dies waren wesentliche Forderungen, nicht nur an die Europapolitiker, sondern auch an die Bundestagskandidatin Franziska

Brantner, die mit einigen Aufträgen versorgt wurde, heißt es abschließend in einem Pressebericht der Grünen.