Bahnlärm

03. Juni 2013 zur Übersicht

Zulassung von Flüstersohle ermöglicht Durchbruch beim Lärmschutz

Der internationale Eisenbahnverband (UIC) hat nach einer mehr als zweijährigen Testphase die so genannte LL-Bremssohle für Schienengüterwaggons zugelassen. Dank dieser Flüstersohlen kann nun erstmals die Bestandsflotte direkt nachgerüstet und so eine Lärmreduzierung um 10 dB erreichet werden. Dazu erklärt Michael Cramer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament:

"Der umweltfreundliche Schienenverkehr hat nur dann eine Zukunft, wenn er seinen krankmachenden Lärm konsequent reduziert. Andernfalls droht die Akzeptanz in der Bevölkerung für das ansonsten in allen Belangen vorteilhafte Verkehrsmittel zu schwinden.

Seit Jahren machen wir Grüne uns deshalb für eine europäische Strategie zur Reduzierung des Schienengüterlärms stark, die vor allem an der Quelle - das heißt bei den Rädern und Drehgestellen der alten Güterwaggons - ansetzt. Mit der Zulassung der LL-Sohle werden dafür endlich die technischen Voraussetzungen geschaffen. Sie ermöglicht eine Verminderung um 10 dB, was einer Halbierung des wahrgenommenen Lärms entspricht.

Die Nachrüstung der lauten Waggons mit den neuen Bremssohlen ist der schnellste, günstigste und effektivste Weg zur Lärmminderung. Wenn alle in den kommenden Jahren noch einsetzbaren Güterwaggons der EU-Mitgliedstaaten (80% der Bestandsflotte) umgerüstet werden, benötigt man schätzungsweise 2,5 Mrd. Euro. Für Lärmschutzwände im Rahmen der Transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-T) ist mit etwa 10 Mrd. Euro das Vierfache eingeplant. Durch die LL-Sohle entsteht eine Win-Win-Win-Situation!

Während die Bahningenieure ihre Hausaufgaben erledigt haben, war auch der europäische Gesetzgeber nicht untätig. So haben wir im Rahmen der Neufassung des Ersten Eisenbahnpakets ('Recast') die Einführung lärmabhängiger Trassenpreise beschlossen. Und auf Drängen der Grünen soll die EU im Rahmen der 'Connecting Europe Facility' und der neuen TEN-T auch für die nun möglich gewordene Nachrüstung der Güterwaggons eine Ko-Finanzierung in Höhe von 20% bereitstellen.

Damit sind die Weichen für einen Durchbruch beim Lärmschutz gestellt. Nun müssen die neuen LL-Sohlen schnell eingesetzt werden, um die lärmgeplagten Anwohner in Deutschland und in der EU zu entlasten. Das ist übrigens auch deshalb nötig, weil in der Schweiz die lauten Güterwaggons ab 2020 nicht mehr zugelassen sind."