30 Jahre für eine kleine Lücke

04. Februar 2016 zur Übersicht

Gastbeitrag in der Zeitschrift Signal vom 23.12.2015

Was lange währt, wird endlich gut! Zumindest in diesem Fall: Am 13. November 2015 wurde das Planfeststellungsverfahren für die Dresdener Bahn in Berlin-Lichtenrade abgeschlossen (siehe www.eba.bund.de). Dadurch gibt es die Möglichkeit, die letzte große Lücke im Berliner Mauerweg zu schließen. Denn als die S?Bahn-Strecke von Lichtenrade über Mahlow nach Blankenfelde 1992 wiedereröffnet wurde, blieb der Mauerweg unberücksichtigt. Im Planfeststellungsbeschluss vom November 2015 wird darauf folgendermaßen Bezug genommen: „Unmittelbar südlich der Abschnittsgrenze, auf dem Gebiet des Landes Brandenburg, ist der Bau einer Eisenbahnüberführung (EÜ) im Zuge des sog. Mauerradweges vorgesehen, durch die eine Lücke dieses sehr bekannten Fahrradwegs geschlossen werden soll. Das Anhörungsverfahren für dieses Vorhaben ist bei der zuständigen Anhörungsbehörde des Landes Brandenburg, dem Landesamt für Bauen und Verkehr, seit Anfang 2014 unter dem Az. 1138–AHB-712.13 anhängig.“


Damit ist der wesentliche Schritt getan,
weil die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow
zunächst wissen wollte, wie die Trassenlage
der Dresdener Bahn in Berlin sein wird.
Da mit dem Planfeststellungsverfahren die
ebenerdige Variante bestätigt wurde, kann
das Verfahren im Land Brandenburg nun
weiter gehen.
Schon 2010 hatte der Senat von Berlin zugesagt,
mit den zur Verfügung stehenden
Bundes- und EU-Mitteln die Finanzierung
für die Mauerweg-Unterquerung der Dresdener
Bahn zu übernehmen. Die Gemeinde
Blankenfelde-Mahlow erwarb vom Bund
die entsprechenden Grundstücke, und die
Deutsche Bahn AG sowie das Eisenbahn-
Bundesamt versicherten, die Unterquerung
bei der Planfeststellung zu berücksichtigen.
Schließlich verankerte das Land Brandenburg
in seinem am 14. Dezember 2012 beschlossenen
Haushalt die Verpflichtungsermächtigung
für die Ablösesumme von „bis
zu 250 000 Euro“ für die Mauerweg-Unterquerung
der Dresdener Bahn, wodurch das
letzte finanzielle Hindernis beseitigt wurde.
Der Verkehrsausschuss des Brandenburger
Landtages hatte sich zuvor einstimmig dafür
ausgesprochen. Der auf 120 000 Euro
geschätzte Betrag wird erst fällig, wenn die
Dresdener Bahn fertiggestellt ist.


Durch die Medienberichterstattung, das
Engagement vieler Menschen und Institutionen,
die Unterstützung durch den Senat
von Berlin und letztlich auch durch das
Einlenken der Brandenburger Koalitionsfraktionen
war es gelungen, die Mauerweg-
Unterquerung abzusichern.
Nun müssen die letzten bürokratischen
Hürden überwunden und auch das Planfeststellungsverfahren
für den Abschnitt der
Dresdener Bahn in Blankenfelde-Mahlow
erfolgreich beendet werden, um dann
schnellstmöglich mit dem Bau der Unterführung
zu beginnen – zunächst unter dem
S?Bahn-Gleis. Später werden dann die zwei
Ferngleise über den Mauerweg gebaut.
Von diesem Lückenschluss des Berliner
Mauerweges profitiert auch der Fernradweg
Berlin—Leipzig, weil er an dieser Stelle
mit dem Mauerweg identisch ist.
Für die Radelnden auf dem Mauerweg
ist zu hoffen, dass der kilometerlange Umweg
über die holprigen Nebenstraßen zum
30. Jahrestag des Mauerfalls im November
2019 endlich der Vergangenheit angehören
wird.